Südafrika 2015

Vorbereitungen

Irgendwann im Herbst 2014 machten wir uns mal wieder Gedanken über unseren nächsten großen Urlaub. Diesmal sollte es auf jeden Fall irgendwo hingehen, wo noch keiner von uns beiden war, und Markus äußerte den Wunsch, mal nach Kenia zu fliegen. Alexandra fand die Idee, nach Afrika zu reisen, grundsätzlich ganz toll – nur Kenia stand nun nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste. Dann schon eher Südafrika. Damit konnte sich auch Markus ganz schnell anfreunden und somit stand unser nächstes großes Reiseziel fest und wir konnten mit den Planungen loslegen.

Zuallererst musste die Reisezeit festgelegt werden. Nach umfangreichen Internetrecherchen waren wir uns einig: der südafrikanische Frühling im Oktober/November sollte es sein – und das ganze für drei bis dreieinhalb Wochen.

Die Flugtickets wollten wir wieder über Lufthansa Meilen in der First- oder Business Class buchen (wir sind ja inzwischen so was von verwöhnt….). Beim Lesen in einschlägigen Foren hatte Markus jedoch Bedenken, 2 Plätze ergattern zu können. Flugtickets zu dieser Zeit sind nun mal sehr begehrt. Obwohl die Route noch nicht im Detail ausgearbeitet war, fassten wir grob ins Auge, unsere Reise in Johannesburg zu starten und in Kapstadt zu beenden. Lufthansa bietet jedoch Flüge nach Kapstadt nur im Winterflugplan, also ab Ende Oktober an. Um einen weiteren Inlandsflug von Kapstadt nach Johannesburg zu sparen, peilten wir daher unseren Abflug für Mitte Oktober an und den Rückflug am 7.11.2015. Beide Flüge werden als Nachtflüge angeboten.

Lufthansaflüge werden immer höchstens 360 Tage im Voraus zur Buchung freigegeben. Damit wir uns den Hinflug schon sichern konnten und nicht noch 3 Wochen warten mussten, bis auch der Rückflug verfügbar war, buchten wir die Flüge getrennt als One-Way-Tickets, was auf dieser Stecke auch noch den Vorteil hat, weniger Steuern zu bezahlen. Der einzige Nachteil liegt im Falle einer Stornierung der Reise und somit beider Flüge, da hier pro Person dann 2x 50 € Stornogebühren fällig wären. Aber stornieren wollten wir ja auch nicht 🙂

Die gewünschten First-Class-Tickets gab es natürlich leider auch nicht, „nur“ Business Class, daher ließen wir uns für beide Flüge auf Warteliste setzen, vielleicht haben wir ja Glück.

Als nächstes stand dann die Planung der Route auf dem Plan. Nach dem Studium diverser Reiseführer und einschlägiger Webseiten kristallisierte sich letztendlich die „klassische“ Einsteiger-Route heraus: Ab Johannesburg zur Panorama-Route, Safari im Krugerpark, Swaziland und die Küste runter bis Durban. Von dort mit dem Flieger nach Port Elizabeth und weiter mit neuem Mietwagen entlang der Garden-Route, Walküste, Weinland und zum Finale nach Kapstadt.

Die ruhigen Weihnachtstage verbrachten wir mit stundenlangen Recherchen auf diversen Hotelportalen – uns schwirrte irgendwann der Kopf, oft konnten wir uns nur schwer zwischen den vielen schönen Unterkünften entscheiden – aber am Ende hatten wir dann die Buchung der Lodges, Guesthouses und Hotels für die komplette Reise erledigt. Natürlich kann man auch vor Ort spontan buchen und ist damit sicher etwas flexibler, aber wir wollten sichergehen, dass die von uns favorisierten Unterkünfte zum gewünschten Zeitpunkt auch noch frei sind und außerdem wollten wir die Tage auf unserer Reise genießen und nicht noch Stunden mit der Suche nach einer passenden Unterkunft verplempern.

Zum Schluss buchten wir nur noch unseren Inlandsflug von Durban nach Port Elizabeth und die beiden Mietwagen: einen SUV für den ersten Teil, einen Kleinwagen für den zweiten Teil der Reise.

Anschließend war erst mal „Vorbereitungs-Pause“ bis Anfang September 2016 angesagt, bevor wir unsere Reiseführer wieder hervorkramten, um letzte Details, Highlights und Must-sees unserer Route auszuarbeiten.

Bis wenige Wochen vor dem Abflug gab es leider auch noch keine Neuigkeiten bezüglich der First-Class-Warteliste. Ein Blick in die Sitzbelegung einige Tage vorher verhieß auch nichts Gutes, die meisten der 8 Plätze waren belegt. Die Chancen waren also als gering einzustufen. So riefen wir ca. 2 Wochen vor Abflug aus einer Laune (und geheimnisvollen Eingebung?) heraus noch einmal bei der Miles & More Hotline an und fragten spaßeshalber mal nach 2 First -Class-Plätzen bei Swiss Airlines. Zu unserer großen Überraschung gab es zu unserem Wunschdatum tatsächlich noch 2 freie Sitze. Also noch mal beratschlagt, festgestellt, dass dort noch die alte First Class verbaut ist, nochmal Meinungen und Kommentare dazu im Internet nachgelesen – und letztendlich umgebucht. Kein Lufthansa A380, dafür First bei Swiss mit LX 1077 um 20:45 nach Zürich und von dort dann mit LX288 um 22:45 nach Johannesburg. Dies bedeutete auch, wir dürfen wieder das First Class Terminal nutzen.

Tja, und dann war nur noch Vorfreude angesagt…..

Woche 1 

Tag 1 – 15.10.2015 – Anreise Frankfurt -> Johannesburg

Endlich! Der Kater ist im „Ferienlager“, die Koffer sind gepackt, die letzte Email ist verschickt und so machen wir uns mit dem Auto gegen
16 Uhr auf den Weg zum Flughafen nach Frankfurt. Nachdem wir beim letzten Mal ja äußerst „kühl“ im First-Class-Terminal empfangen wurden (nachzulesen im USA-Reisebericht hier), klappt das diesmal um Längen besser. Den ausführlichen Bericht findet Ihr hier.

Tag 2 – 16.10.2015 – Johannesburg -> Sabie

In Johannesburg angekommen, laden wir unsere Koffer vom Band und machen uns auf die Suche zum Mietwagenschalter. Nach ca. 30 Minuten können wir den Schlüssel in Empfang nehmen und suchen auf dem Parkdeck nach unserem zugewiesenen Auto. Jetzt nur noch die Koffer verstauen, auf der richtigen Seite einsteigen und losfahren, natürlich schön auf der linken Spur.

Die Autobahn N12 Richtung Osten zu finden, gestaltet sich doch etwas schwieriger als gedacht, und nach einem kleinen Ausflug in die falsche Richtung, Rückkehr zum Flughafen und Neustart landen wir dann doch noch auf dem richtigen Weg.

Unser heutiges Tagesziel Sabie liegt etwa 350 km vom Flughafen entfernt und soll uns als Startpunkt zum Erkunden der Panoramaroute dienen. Als Unterkunft haben wir uns die Sabie Town House Guest Lodge ausgesucht.

Nachdem wir auf die N4 gewechselt sind, lässt auch die erste Mautstation nicht lange auf sich warten. Schön, dass man mit Kreditkarte bezahlen kann – dumm nur, dass lediglich inländische akzeptiert werden und wir noch kein Bargeld organisiert haben. Während es in Deutschland jetzt wahrscheinlich große Diskussionen und Belehrungen gegeben hätte, werden wir hier ganz einfach freundlich zu Seite gewunken. Nach kurzer Wartezeit kommt ein netter Mann mit einem Lesegerät ans Auto gelaufen, welches auch ausländische Kreditkarten akzeptiert, und schon ist die Sache erledigt.

Auch neu ist die Erfahrung, dass die Autobahn nicht wie bei uns ausschließlich von Autos, LKWs und Motorrädern benutzt wird. In Südafrika ist es üblich, dass am Fahrbahnrand Esel, Rinder, Ziegen, Hunde oder sonstige Vierbeiner stehen, Leute spazieren gehen, trampen und oft sogar die Fahrbahn überqueren. Taxis und öffentliche Minibusse halten mal eben mitten auf der Spur an, um Passagiere einzusammeln, und die Nutzung des Seitenstreifens als Verkaufsfläche für Obst oder Fisch ist auch keine Seltenheit.

Der von uns anvisierte Long-Tom-Pass wird uns im Reiseführer als Alternativstrecke bei schönem Wetter empfohlen. Leider empfängt uns der afrikanische Kontinent an unserem ersten Tag mit ordentlich Regen, Nebel und Wind, was uns nach kurzer Überlegung aber nicht davon abhält, trotzdem diese Route zu nehmen. So verlassen wir die Autobahn auf die R36 Richtung Lydenburg. Unterwegs legen wir noch eine Rast bei Harrie’s Pancakes House in Dullstroom ein. Hier machen wir auch gleich unsere erste Erfahrung mit den „berühmt-berüchtigten“ Parkwächtern: Gegen ein kleines Trinkgeld wird einem nicht nur ein freier Parkplatz zugewiesen, sondern das Auto auch anschließend „bewacht“. Was für den doch erstmal etwas vorsichtigen und misstrauischen deutschen Urlauber anfangs wie Nepp und Bauernfängerei aussieht, stellt sich schnell als äußerst angenehme und ehrliche Dienstleistung heraus – und wenn man den Menschen mit ein paar Rand etwas Gutes tun kann, umso besser.

Die Pfannkuchen sind äußerst lecker und so setzen wir frisch gestärkt unsere Fahrt in Richtung Lydenburg fort, dann weiter die R 37 über den Long-Tom-Pass. Leider ist von der Landschaft und der Kanone, welche dem Pass den Namen gibt, aufgrund des schlechten Wetters nicht viel zu sehen. Etwa 25 km vor unserem Ziel stellt sich auch langsam etwas Müdigkeit ein. Na, dann mal zur Abwechslung auf das Telefon schauen. Was ist denn da los, ungefähr 5 verpasste Anrufe auf Markus‘ Handy, immer von der gleichen – uns unbekannten – Nummer. Dazu eine SMS, die uns erstmal das Herz in die Hose rutschen lässt: Markus habe den falschen Koffer vom Gepäckband genommen – und der Absender der SMS, dessen Gepäckstück jetzt angeblich in unserem Auto liegen soll, hätte dafür Markus‘ Koffer.

Augenblicklich sind wir hellwach – ein Blick nach hinten lässt uns jedoch vermuten, dass es sich hier nur um einen schlechten Scherz handeln kann. Das Teil da hinten auf der Rückbank ist eindeutig unseres: babyblauer Rimova-Koffer mit rotem Lufthansa-Lederanhänger. Markus ruft trotzdem an, hat eine nette Dame aus Pretoria dran – und muss feststellen: kein Scherz, sondern bitterer Ernst. Die Frau besitzt ebenfalls einen babyblauen Rimova-Koffer in der gleichen Größe, mit dem gleichen roten Lufthansa-Koffer-Anhänger und dem gleichen Prio-Tag um den Griff – und war auf dem gleichen Flug wie wir. Schöner Mist….

Nun ist auch das letzte bisschen Müdigkeit verschwunden und wir verabreden mit der Dame, uns gleich nochmal zu melden, sobald wir unser Guesthouse erreicht haben. So können wir wenigstens schon mal einchecken und in aller Ruhe darüber nachdenken, wie wir den Koffer-Tausch organisiert kriegen.

[ngg_images image_ids=“815″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Im Guesthouse angekommen werden wir von einem freundlichen älteren Herrn empfangen, der sich uns als Vater des Besitzers vorstellt, und bei dem wir beide schmunzelnd sofort an einen adligen englischen Earl denken müssen. Wir erledigen schnell die Formalitäten und erklären dem verdutzten Mann kurz unser Problem und dass wir uns leider gleich nochmal auf den Weg zurück machen müssen und wohl erst in der Nacht wieder hier sein werden.

Jetzt noch schnell die Dame zurückrufen und klären, wie wir’s geregelt kriegen. Die wirklich total nette Frau erzählt uns, dass sie dienstlich in Boston zu tun hatte und nun quasi 2 Tage lang mit dem Flieger unterwegs nach Hause war – dementsprechend wenig Lust hat sie, jetzt noch eine Strecke von mehr als 400 km hin- und wieder zurück zu fahren. Wir natürlich ebenso nicht, für uns wären das dann an diesem Tag insgesamt 1200 km geworden. Kurzum beschließen wir, uns auf etwa halber Strecke – in Witsbank – an einem markanten, nicht zu übersehenden Kasino an der Autonbahn zu treffen. Der Ort soll ja auch halbwegs sicher sein – man muss zwar keine Panik schieben, aber ein bisschen Vorsicht ist natürlich immer angebracht.

[ngg_images image_ids=“816″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Also springen wir wieder ins Auto und nehmen den schnellsten Weg zur Autobahn. Uns bleibt heute aber auch nichts erspart, denn mittlerweile kommt ein regelrechter Gewittersturm herunter, was das Fahren nicht unbedingt angenehmer macht. Die Frau aus Pretoria hat sich mit Ihrer Cousine zusammen zeitgleich auf den Weg gemacht, und so kommen wir fast synchron gegen 19.30 auf dem Mc-Donald’s-Parkplatz neben dem Kasino an. Die Koffer wechseln die  Besitzer (nicht ohne nochmal zu kontrollieren, dass jetzt auch wirklich jeder den Richtigen hat), am Ende können wir alle über diesen irrsinnigen Zufall herzlich lachen und nach kurzer Stärkung beim Burger-Laden machen wir uns auf den Rückweg. Regen, Sturm und Gewitter haben endlich aufgehört, der Verkehr ist auch wesentlich weniger geworden – und so sind wir gegen 22.30 Uhr glücklich, aufgewühlt – aber auch völlig erschöpft – zurück im Guesthouse. So können wir trotz des heutigen Stresses morgen unseren Urlaub beruhigt und wie geplant fortsetzen. Glück im Unglück …

Tag 3 – 17.10.2015 – Panoramaroute

[ngg_images image_ids=“819″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Die heutige Etappe führt uns von Sabie über die Panorama Route am Blyde River Canyon entlang. Als Unterkunft für die nächsten beiden Nächte haben wir die Blyde River Canyon Lodge gebucht.

Nach dem ersten ausgiebigen und leckeren Frühstück auf afrikanischem Boden verladen wir die Koffer, checken aus (nicht ohne dem netten Besitzer nochmal einen ausführlichen Koffer-Bericht liefern zu müssen) und decken uns unterwegs im örtlichen Spar-Supermarkt noch mit ein wenig Proviant für den Tag ein. In der Umgebung gibt es einige sehenswerte Wasserfälle von denen wir uns zwar nicht alle, aber dennoch ein paar anschauen wollen. Also fahren wir zunächst die Old Ladenburg Road ca. 8 bis 9km zu den 68 Meter hohen Lone Creek Falls. Diese sind vom Parkplatz mit ein paar Schritten über einen etwas rutschigen Fußweg gut erreichbar.

[ngg_images image_ids=“825″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=160 float=right]Anschließend fahren wir zurück nach Sabie und dann auf der R532 nach Norden Richtung Graskop. Nach ca. 10 km kommen wir zum Parkplatz der 65 Meter hohen Mac-Mac-Falls, die sich in eine recht beeindruckende tiefe Schlucht ergießen und auch wieder über einen kurzen Fußweg erreichbar sind. Für den nächsten Wasserfall-Stopp fahren wir ein paar Kilometer weiter auf der R532 bis zur Heritage Picknick Side. Hier kann man laut Reiseführer auf einem bewachten Parkplatz sein Auto parken und von dort auf einem markierten Weg zu den etwa 3 bis 4 km entfernten Forest Falls wandern. Wir sind allerdings erstmal etwas verwirrt, als wir die Heritage Picknick Side erreichen – einen richtigen Parkplatz sehen wir nicht, nur eine große grüne Picknickanlage, wo es sich schon ein paar Einheimische mit Sack, Pack, Verpflegung und Auto direkt neben den obligatorischen Braai-Stellen gemütlich gemacht haben.

[ngg_images image_ids=“831″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Einen Hinweis auf die Forest Falls können wir zunächst auch nicht ausmachen. Doch Hilfe naht, und zwar in Gestalt eines netten Sicherheitsmannes, dem wir kurz unser Vorhaben – Auto abstellen, zu den Wasserfällen laufen – erläutern. Gestenreich erklärt er uns daraufhin,  dass wir mit dem Auto den Weg direkt vor uns über eine unbefestigte Straße nehmen sollen, warnt uns noch davor, am Berg den falschen Abzweig zu nehmen, und wünscht uns abschließend eine gute Weiterfahrt. Wir gehen davon aus, dass wir jetzt einfach noch ein Stückchen diese Straße bis zum Parkplatz fahren müssen und da dann auch den Wanderweg finden werden. Aber irgendwie hat der Sicherheitsmann da was komplett falsch verstanden – wir fahren und fahren (und sind froh, einen SUV auf dieser holprigen, immer steiler werdenden Sandpiste zu haben) und werden das Gefühl nicht los, dass da kein Parkplatz mehr kommt, sondern wir direkt den Wasserfall ansteuern – mal davon abgesehen, dass wir auch keinen Abzweig gesehen haben, bei dem wir falsch abbiegen könnten…. Da wir aber ja nun mal wandern gehen wollen, drehen wir kurzerhand wieder um, fahren zurück zur Picknick Side und parken unser Auto einfach genauso auf der grünen Anlage, wie die Einheimischen. Dabei entdecken wir nebenbei in der hintersten Ecke des Picknick-Platzes auch das Hinweisschild für den Einstieg in den Wanderweg zu den Forest-Falls. Perfekt. Etwas verdutzt kommt „unser“ Sicherheitsmann inzwischen wieder angelaufen und wir erklären ihm nochmal, dass wir doch eigentlich zu den Wasserfällen laufen wollen – ok, jetzt hat er verstanden und sagt uns, wir sollen das Auto dann doch einfach direkt neben seinem „Ausguck“ parken, dann könne er besser darauf aufpassen. Das nennen wir mal Service. Der schöne Wanderweg führt zunächst durch ein „verwunschenes“ Wäldchen immer am Flüsschen entlang, anschließend geht es durch einen leider abgebrannten (ob durch Brandrodung oder natürlichen Waldbrand wissen wir nicht…) ehemaligen Pinienwald direkt Richtung Wasserfall. Unterwegs kreuzen immer wieder riesige Tausendfüßler unseren Weg – naja, wir haben die Beinchen nicht nachgezählt, aber kommt so ungefähr hin….

Wieder zurück von unserer Wanderung, stärken wir uns mit ein paar Müsliriegeln, bedanken uns bei dem netten Sicherheitsmann mit ein paar Rand und setzen unseren Weg entlang der Panorama Route fort. Zwischendurch legen wir noch einen Proviant-Einkauf-Stopp im Sparmarkt ein, und da uns langsam der Magen knurrt, können wir der verführerisch riechenden Boerewors (landestypische, grobe, herzhaft gewürzte Bauernbratwurst), die an einer Imbissbude direkt neben dem Supermarkt angeboten wird, nicht widerstehen. Wir erschrecken etwas, als die Wurst in ein dick mit Rama bestrichenes und mit allen möglichen Soßen übergossenes Hot-Dog-Brötchen gesteckt wird – das sieht jetzt schon ziemlich heftig aus – aber es schmeckt tatsächlich richtig richtig lecker.

[ngg_images image_ids=“840″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Da wir für die weiteren Highlights an der Panorama Route den kompletten nächsten Tag eingeplant haben, machen wir uns nun auf den direkten Weg zur Lodge, um den Nachmittag dort ganz entspannt noch ein wenig zu relaxen. Leider kommen wir in Graskop leicht vom Kurs ab. Anstatt die R532 weiterzufahren, landen wir auf der R533. Egal, am nächsten Tag fahren wir eh wieder die R532 und so halten wir uns weiter Richtung Bushbuckbridge, von da auf der R40 nach Klaserie und anschließend auf der R531 Richtung Nordwesten. Nach dem entsprechenden Hinweisschild biegen wir noch nach links auf eine breite, wenig befahrene Straße ab und erreichen nach wenigen Kilometern die Zufahrt zur Blyde River Canyon Lodge.

Den Nachmittag verbringen wir in idyllischer Natur am Pool und mit einem kleinen Spaziergang in die nähere Umgebung. Gegen 17 Uhr bekommen wir „tierischen“ Besuch am Pool – 3 Zebras, die sich ihren Nachmittags-Snack in Form von ein paar Möhren an der Küchentüre der Lodge abholen und sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören lassen. Das gibt ein paar schöne Schnappschüsse für’s Urlaubsalbum.

Am Abend nehmen wir ein äußerst leckeres 3-Gänge-Menü auf der stimmungsvoll dekorierten Veranda ein – dazu natürlich ein Gläschen südafrikanischen Wein – genauso haben wir uns das vorgestellt.

Tag 4 – 18.10.2015 – Panoramaroute

[ngg_images image_ids=“845″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left][ngg_images image_ids=“848″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Nach dem gemütlichen Frühstück auf der Veranda brechen wir bei herrlichem Wetter zu unserer geplanten Rundfahrt auf. Wir nehmen zunächst die R531 und R527, um Richtung Süden auf der R36 den Abel Erasmus Pass zu überqueren. Weiter geht es Richtung Ohringstad durch eine wunderschöne Landschaft. Die R533 führt uns dann über den Jobbers Pass nach Pilgrim’s Rest.

[ngg_images image_ids=“849″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Pilgrim’s Rest ist ein ehemaliges Goldgräberdorf, welches später in ein Museumsdorf umfunktioniert wurde. Ganz nett anzuschauen, aber normalerweise wohl ein echter Touri-Hotspot. Wir haben Glück, vielleicht ist es für die Busladungen auch noch zu früh am Tag, jedenfalls hält sich der Andrang in Grenzen. Wir schlendern ein wenig die Straße rauf und runter und machen anschließend eine kleine Mittagsrast bei „Pilgrim’s Pantry“, wo wir uns leckere Pfannkuchen und erfrischende hausgemachte Minzlimonade schmecken lassen.

[ngg_images image_ids=“852″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Als wir zurück an unser Auto kommen, erwartet uns das erste, aber auch das einzige Negativ-Erlebnis mit einem Parkwächter. Normalerweise ist es üblich, den Aufpassern etwa 5 Rand zu geben. Der hier schüttelt beim Anblick des Geldes aber den Kopf und stellt ganz andere Forderungen: 80 Rand will er haben, er hätte uns schließlich auch das Auto geputzt. Schön für ihn, haben wir aber nicht bestellt…. Im Hintergrund tauchen ein wenig bedrohlich ein paar Kumpels von ihm auf – so nach dem Motto, die doofen Touris werden vor lauter Angst schon zahlen. Wir drücken ihm daraufhin immerhin noch 20 Rand in die Hand (was eigentlich immer noch zu viel ist, aber naja, das Auto sieht tatsächlich recht sauber aus), was ihn aber nicht daran hindert, weiter zu diskutieren. Wir allerdings nicht mehr, steigen einfach ins Auto ein und lassen ihn und seine Kumpels stehen.

 

[ngg_images image_ids=“853″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=160 float=left][ngg_images image_ids=“857″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Weiter geht es nun Richtung Graskop (diesmal nehmen wir auch die richtige Straße), denn unsere nächsten Ziele sind der „Pinnacle“,  „God’s Window“ und die Lisbon Falls. Dazu biegt man kurz nach Graskop auf die R534, die in einem Loop wieder auf die die R532 zurückführt. Um zu den den Lisbon Falls zu gelangen, muss man die R532 wieder ein Stück Richtung Graskop fahren, dann rechts abbiegen und der Straße ein paar Kilometer bis zum Ende folgen. Nachdem wir alle Felsnadeln, Ausblicke und Wasserfälle ausgiebig „begutachtet“ und fotografiert haben, fahren wir nun zurück auf die R532 – von den Lisbon Falls aus sind es noch ca. 30 km bis zu den berühmten Bourke’s Luck Potholes. Hier gibt es am Visitor-Center einen großen Parkplatz und eine noch größere Picknick-Wiese, wo die Baboons (die berühmt- berüchtigten Paviane) nur darauf lauern, irgendwas essbares abgreifen zu können. Der kurze schattenlose Spazierweg zur Schlucht mit den tiefen ausgewaschenen Wasserlöchern lohnt sich wirklich. Am Ende des Weges gibt es einige flache Stellen, wo wir unsere Füße zum Abkühlen ein wenig ins Wasser hängen können.

 

 

[ngg_images image_ids=“867″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left][ngg_images image_ids=“877″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Zum Abschluss unserer heutigen Tour machen wir noch zwei Foto-Stopps am „Lowfeld View“ sowie am Aussichtspunkt zu den „3 Rondavels“, bevor es zurück zur Lodge geht. Dort lassen wir den Abend wieder auf der Veranda mit einem herrlichen 3-Gänge Menü und einer Flasche Rotwein ausklingen. Hach, so lässt es sich aushalten….

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Tag 5 – 19.10.2015 – Balule Game Reserve

[ngg_images image_ids=“880″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left][ngg_images image_ids=“888″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von der Blyde River Canyon Lodge und machen uns auf den Weg  zu unserer nächsten Station, die Masodini Lodge im Balule Game Reserve. Die heutige Etappe ist kurz, und so haben wir genügend Zeit, noch einen Zwischenstopp bei Jessica The Hippo einzulegen. Das Nilpferd wurde im Jahr 2000 als Baby bei einer Sturmflut aus Mosambique bis nach Südafrika in den Blyde River gespült, wo es von einer Familie gefunden, aufgepeppelt und großgezogen wurde. Jessica lebt völlig frei in einem Nebenarm des Blyde River und kann jederzeit seine wilden Verwandten besuchen gehen – kehrt aber täglich freiwillig zu seiner Ziehfamilie zurück und ist lammfromm und kein bisschen aggressiv. Das Nilpferd ist mittlerweile eine richtige Attraktion, sogar das ZDF hat schon über Jessica berichtet. Besucher können Jessica gegen einen kleinen Obulus höchstpersönlich kennenlernen und sogar füttern und streicheln.

[ngg_images image_ids=“893″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]Dort angekommen, sind wir zunächst die einzigen Besucher und man zeigt uns erstmal ein Video über Jessica’s Vergangenheit. Inzwischen taucht noch eine kleine Gruppe Austauschschüler aus La Reunion auf, und so dürfen dann, nach einer kurzen Erläuterung der Verhaltensregeln, alle der Reihe nach das Hippo füttern, ihm die Flasche geben, es streicheln und sogar küssen (!). Trotz allem sollte man es jedoch nie unterschätzen, denn es ist immer noch ein wildes Tier. Wir bekommen erzählt, dass Jessica bei der Nahrungsaufnahme extrem wählerisch ist: die Süßkartoffeln dürfen erst kurz vor der Fütterung geschnitten werden und der Tee sollte gesüßt und lauwarm sein…. tja, nur vom Feinsten für die Diva 🙂

Während die Schüler jetzt das Video anschauen, dürfen wir beide zum Abschluss noch exklusiv zu Richie – ein kleiner Nilpferd-Junge, der erst vor kurzem, wie einst Jessica – von einer Flutwelle hier in der Gegend angespült wurde. Auch er wird von der Familie wieder hochgepeppelt – versteht sich aber nicht so wirklich gut mit Jessica, weshalb er zunächst mal in einem umzäunten Gehege mit Hippo-Planschbecken untergebracht ist. Auch ihn dürfen wir füttern und ihm ausgiebig die Bartstoppeln kraulen – näher kann man einem Nilpferd nicht kommen.

[ngg_images image_ids=“897″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Nun aber weiter Richtung Masodini Lodge. Diese erreicht man an der R40 über das Olifants West Gate – was wir aber erst später herausfinden werden. Da an der Strecke alle paar Meter Wegweiser zu allen möglichen Lodges stehen, gehen wir davon aus, das auch unsere irgendwann angeschrieben steht. Also fahren wir und fahren und fahren und fahren, bis schon der Eingang des Krugerparks ausgeschildert ist. Da kann irgendetwas nicht stimmen, das muss schon längst irgendwo abgegangen sein. Wir drehen also um und fahren fast 40 km wieder zurück. Ein Schild finden wir immer noch nicht, also schmeißen wir mal google maps auf dem Handy an, und schauen, ob wir zumindest annähernd den Standort der Lodge einkreisen können. Das Problem ist nämlich, dass die Straßen bzw. Wege innerhalb des Balule Game Reserves weder auf Google Maps noch in der Navi-App von Südafrika eingezeichnet sind. Die einzige Abzweigmöglichkeit scheint sich in Höhe des Olifants West Gate zu befinden, also fahren wir da jetzt einfach rein und fragen, ob wir richtig sind. Tatsächlich, sind wir. Wir müssen noch ein paar Formalitäten am Tor erledigen und werden der Lodge per Funk schon angekündigt. Nur zur Ein- und Ausfahrt darf man mit dem eigenen Auto und auch nur schnurstracks auf den Hauptwegen durch das Schutzgebiet zur Lodge fahren. Dort endlich angekommen, werden wir herzlich von dem Praktikanten Nils und später der Pächterin Sabine begrüßt. Nach einem Willkommensdrink, dem Verstauen unserer Koffer im Zimmer und einem kleinen, schmackhaften Lunch, können wir unseren ersten Game Drive kaum erwarten. Glücklicherweise sind heute noch genau zwei Plätze auf dem Auto frei.

[ngg_images image_ids=“899″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left][ngg_images image_ids=“900″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left][ngg_images image_ids=“908″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Gegen 16:30 holt Bert, der Ranger und Eigentümer der Lodge, uns und ein Paar aus Frankreich mit ihrem kleinen Sohn mit seinem umgebauten Landrover ab. Anschließend fahren wir weiter zu einer anderen Lodge, wo noch 3 Holländer eingesammelt werden, die aussehen, als hätten sie ihren Tag in Malle am Ballermann verbracht. Dann geht es los, kreuz und quer durch den Busch. Schon nach kurzer Zeit bekommen wir die ersten Elefanten zu sehen und den ersten satten Löwen neben erlegter Beute. Mit dem Auto fährt Bert ganz nah an die Tiere ran – fast ehrfürchtig und mucksmäuschenstill knippst jeder Unmengen von Fotos, und außer den Auslösern der Kameras hört man fast gar nichts – bis auf die 3 Holländer. Die quatschen ohne Unterbrechung und in einer alles übertönenden Lautstärke während des gesamten Drives, als wären sie bei einer Kaffeefahrt und nicht auf Tierbeobachtungs-Safari. Es ist strengestens verboten, sich während des Drives aus dem Auto zu lehnen, sich aufzustellen oder sonst irgendwelche Körperteile außerhalb des Autos zu platzieren – juckt aber unsere 3 Ballermänner einen feuchten Dreck, und so muss Bert sie ständig ermahnen, sich gefälligst wieder ordentlich hinzusetzen. Wir haben irgendwann nicht nur Kopfschmerzen von dem Geschnatter, sondern auch das dringende Bedürfnis, sie dem nächstbesten Löwen zum Abendessen vor’s Maul zu schubsen. Leider kommt kein Löwe mehr vorbei, also genießen wir wenigstens den Sundowner, den wir während einer kleinen Pause auf einer Aussichtsplattform mit herrlichem Blick auf die untergehende Sonne vor den in der Ferne leuchtenden Drakensbergen einnehmen.

[ngg_images image_ids=“960″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Zurück in der Lodge lassen wir bei einem Drink an der Terrassen-Bar die Erlebnisse nochmal ausgiebig Revue passieren, bevor es dann mit allen Gästen an die lange, toll gedeckte Tafel im Freien geht, um gemeinsam das Abendessen zu genießen. Es gibt Quiche, Beef Curry und Lemon Merinque – und natürlich südafrikanischen Wein.

Für den kommenden Tag haben wir uns natürlich gleich wieder Plätze für den Morning- und den Evening-Game-Drive gesichert.

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Tag 6 – 20.10.2015 – Balule Game Reserve

Schon vor 5 Uhr klingelt heute der Wecker, denn bereits um 5:15 ist Treffpunkt auf der Veranda zum Morning-Drive. Zur Stärkung gibt es Kaffee, Kakao und Rusk (eine Art Zwieback), bevor uns Bert um 5:30 an der Lodge abholt. Genialerweise sind wir heute Morgen die einzigen, die den Game-Drive gebucht haben und so bekommen wir eine tolle exklusive Privatfahrt, bei der uns Bert eine Menge zeigt und erklärt.

Neben den vielen Tieren, die wir zu sehen kriegen, ist diese Morgenstimmung und das Licht im Busch zu dieser Zeit einfach unbeschreiblich schön. Wir sehen heute Morgen Elefanten, Giraffen, eine Löwin auf der Suche nach Fressbarem, Krokodile auf der Sandbank, Wasserbüffel – und eine Nashornmama mit Kind, an die wir ganz nah rankommen. Die beiden geben uns eine Vorstellung der ganz besonderen Art: minutenlang andauerndes Pupsen in einer Lautstärke, dass man es wahrscheinlich noch bis zur Lodge hört….

Gegen 8:30 sind wir glücklich, euphorisch, aber auch hungrig zurück. Also schnell unter die Dusche und dann in aller Ruhe auf der Veranda das Frühstück genießen. Den Rest des Tages verbringen wir faulenzend im Garten auf unseren Liegestühlen, nur unterbrochen von einem Lunch am frühen Nachmittag. Um 16:30 holt uns Bert dann wieder ab zum Evening-Drive. Die Gäste aus Berlin (ein Paar mit ihrem Sohn im Teenager-Alter), die gestern am späten Nachmittag noch angekommen sind und sich heute Morgen erstmal ausschlafen wollten, sowie Nils, der Praktikant, sind jetzt auch mit von der Partie.

Leider lassen sich heute Abend nicht so viele Tiere blicken: ein paar Giraffen, ein paar Zebras, und ganz zum Schluss auf den letzen Metern zurück zur Lodge noch ein halbstarker Elefant, der zeigen will, was er für ein toller Kerl ist, indem er sich anschickt, einen ausgewachsenen Baum zu entwurzeln. Das kann Bert nicht mit ansehen und versucht ihn laut hupend, schimpfend und mit den Scheinwerfern blendend davon abzuhalten – allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Bert gibt auf – ob es der Elefant auch tut, kriegen wir nicht mehr mit – denn es wird Zeit, zur Lodge zurückzukehren, die Dusche und das Abendessen warten auf uns! Wie gestern sitzen wir alle zusammen draußen in der noch herrlich lauen Luft am Tisch, unterhalten uns angeregt und genießen Frühlingsrollen, Beef Filet und den leckeren Nachtisch. Anschließend lassen wir den tollen Tag mit einem Absacker an der Terrassen-Bar ausklingen. Auch für den kommenden, letzten Morgen im Balule-Reserve wollen wir uns den Morning-Drive nicht entgehen lassen – also ab ins Bett, denn um kurz vor 5 klingelt wieder der Wecker!

Tag 7 – 21.10.2015 – Balule Game Reserve und Kruger National Park

Pünktlich um 5.15 Uhr nehmen wir unsere kleine Stärkung auf der Veranda ein und werden wie gestern um 5:30 Uhr von Bert abgeholt. Auch heute Morgen sind Nils und die Berliner Familie mit auf dem Auto.

Wir ahnen es noch nicht, aber was uns heute geboten wird, übertrifft  die bisherigen Game Drives noch um Längen. Nachdem unser Ranger, wie so oft,  über Funk informiert wird, rasen wir querfeldein zu einer Stelle, an dem sich ein älterer Löwe mit prachtvoller Mähne aufhält. Wir warten darauf, dass Bert das Auto – wie immer – in eine zum Fotografieren ideale Position bringt – doch stattdessen gibt er plötzlich Gas, lässt den Löwen Löwen sein und jagt wie ein Verrückter im höchstmöglichen Tempo über Stock und Stein. Erst als er langsamer wird und schließlich den Wagen anhält und den Motor ausschaltet, sehen wir den Grund für die rasante Fahrt: Drei Löwenweibchen formieren sich zur Jagd – und wir stehen mittendrin statt nur dabei. Die Löwinnen nehmen uns überhaupt nicht war – sie sind völlig fokussiert auf ihre vermeintliche Beute – und kurz darauf sehen auch wir das Ziel ihrer Begierde. Genau vor uns taucht eine ausgewachsene Giraffe auf, die zwar scheinbar etwas von der Gefahr ahnt, aber trotzdem an unserem Auto vorbei direkt in die Falle der drei Löwinnen zuläuft, die sich rechts, links und ein Stück hinter unserem Auto verteilt haben. Wir alle sind mucksmäuschenstill, zutiefst angespannt, und man kann die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Wir wissen, dass das alles hier nun mal zur Natur gehört und natürlich ein Eingreifen zugunsten der Giraffe keine Option ist, dennoch will sich keiner die nächsten Szenen im Kopf ausmalen. Einerseits ist es natürlich faszinierend, schließlich kennt man das sonst nur aus dem Fernsehen – andererseits sind wir nicht sicher, ob wir das jetzt wirklich sehen wollen.[ngg_images image_ids=“963″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]

Plötzlich geht alles ganz schnell, die Löwinnen starten ihren Angriff, die Giraffe wehrt mit ein paar kräftigen Tritten den Angriff ab und bringt sich mit großen Sprüngen und einem ordentlichen Sprint in Sicherheit. Unglaublich, wie schnell und mühelos sie mit ihren langen Beinen rennen kann – wenn man die Tiere sieht, glaubt man, die langen Stelzen müssten sich beim Laufen zwangsläufig verknoten. Wir atmen jedenfalls auf, freuen uns natürlich für die Giraffe und dass uns ein schlimmer, blutiger Anblick erspart bleibt. Die Löwinnen dagegen sind frustriert, wahrscheinlich ziemlich hungrig (denn eine ausgewachsene Giraffe wird eher selten angegriffen) und streifen auf der Suche nach der nächsten Beute weiter durch den Busch. Etwas entfernt stehen ein paar Bäume, von denen nun plötzlich laute Schreie erschallen: überall auf den Ästen sitzen Paviane, die sich gegenseitig und den Rest der Buschbewohner vor der drohenden Gefahr in Gestalt von 3 hungrigen Löwinnen warnen. Wir kommen uns vor wie bei Walt Disney’s  „Dschungelbuch“ – nur live und in 3D.

[ngg_images image_ids=“968″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Auf dem Rest der Fahrt sehen wir noch Elefanten, junge Schakal-Welpen, Zebras und am Ende noch einnmal unsere pupsende Nashorn-Familie.

Nach Dusche und Frühstück nehmen wir schweren Herzens Abschied von der Masodini Lodge und dem Balule Game Reserve und machen uns auf den Weg Richtung Kruger National Park. Den Weg kennen wir ja nun schon und so folgen wir der R40 ein zweites Mal in Richtung Parkeingang. Da wir in der Mitte, über das Phalaborwa-Gate einfahren, ist unser Ziel für die erste Nacht das traumhaft direkt über dem Olifant River gelegene Olifants Camp. Die Unterkunft für die zweite Nacht, das Lower Sabie Camp, liegt im südlichen Teil des Parks. Nach einem kurzen Tankstopp erreichen wir auch schon die Zufahrt zum Kruger National Park. Zunächst melden wir uns bei der Rezeption an und legen unsere Reservierung für die kommenden Nächte vor. Daraufhin erhalten wir eine Quittung, mit der wir das Gate passieren können. Die Conservation Fee bezahlen wir erst später im Camp selbst. Obwohl die Straßen im Park gut ausgeschildert sind, empfehlen wir, die Karte zwecks besserer Orientierung für ein paar Rand an der Rezeption zu kaufen. Die Hauptstraßen sind allesamt geteert, mit Hxx bezeichnet und durchaus schon gut geeignet zur Tiersichtung. Von den Hauptstraßen zweigen jedoch auch immer wieder Gravel Roads und verschiedene Loops ab (diese tragen Namen wie Sxx), auf denen weniger los ist und man oft einen besseren Blick auf Flußbetten und Wasserlöcher hat, wo sich erfahrungsgemäß natürlich auch oft viele Tiere tummeln. Es gibt einige Regeln zu beachten, um gefahrlos und sicher Tiere beobachten zu können. Im gesamten Park darf man seinen PKW nur innerhalb der Camps oder bestimmten  Rest Areas verlassen, man sollte keine Körperteile aus dem Auto hängen, und auch beispielsweise darauf achten, niemals mit dem Auto zwischen eine Elefanten-Mama und ihr Kind zu geraten. Die Höchstgeschwindigkeit auf den Hauptstraßen beträgt 40 Stundenkilometer, auf den Nebenstraßen 30 Stundenkilometer.

Wir fahren also zunächst die H9 nach Osten, wollen eigentlich auf einen in der Karte eingezeichneten Loop abzweigen, finden auch einen Abzweig – stellen aber dann im Laufe des Weges, der immer schmaler, sandiger und von stacheligen Büschen gesäumt wird, fest, dass wir versehentlich einen den Rangern vorbehaltenen Weg genommen haben. Und wir haben uns schon ein klein bisschen gewundert, warum da ein „Durchfahrt verboten“-Schild am Wegesrand im Staub gelegen hat…. Jedenfalls kommen wir glücklicherweise irgendwann wieder auf der Hauptstraße raus, jedoch nicht ohne uns an den stacheligen Büschen ein paar schöne tiefe Kratzer in die Autotür gerammt zu haben…. ohje, was wohl die Mietwagenfirma dazu sagen wird? Zum Glück haben wir ja Vollkasko.[ngg_images image_ids=“978″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=right]

Wir fahren dann wieder von der Hauptstraße ab, diesmal richtig, und nehmen die S96, S131,  S47N und S95 am Fluß entlang. Im Letaba Camp legten wir eine Zwischenrast ein. Die Camps dienen zum einen als nächtliche Unterkunft, zum anderen aber auch tagsüber als Versorgungsstationen. Man findet Restaurants, Supermärkte, Tankstellen, ja sogar Swimming-Pools. Am Nachmittag fahren wir  weiter über die S46 und 44 zum Olifants Camp. Wichtig ist, bis spätestens 18 Uhr im Camp zu sein oder den Park verlassen zu haben, es drohen sonst saftige Geldstrafen und Ausreden zählen nicht.

Zunächst sehen wir über viele Kilometer kein einziges Tier – und nach den Erlebnissen im Balule Game Reserve sind wir schon ein bisschen enttäuscht – bis plötzlich ganz unverhofft zwei Giraffen direkt aus dem Busch vor unser Auto laufen – und Markus erst mal eine ordentliche Vollbremsung machen muss. Glücklicherweise nix passiert, wir sind ja auch nicht schnell unterwegs. Aber unglaublich, man sollte doch meinen, dass so ein großes Tier bereits auf hunderte Meter zu sehen sein müsste, in Wahrheit sind Giraffen aber Meister der Tarnung, die man wirklich oft erst sieht, wenn sie direkt vor einem stehen. Und ab diesem Zeitpunkt kriegen wir dann doch auch endlich ein paar Vierbeiner zu Gesicht. Weitere Giraffen, jede Menge Gazellen, Impalas, Waterbucks und Kudus – aber auch unser erstes wildes Flusspferd, Elefantenherden und lustige Hühnervögel, die laut Markus aussehen wie Darth Vader….

[ngg_images image_ids=“984″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_singlepic“ w=240 h=160 float=left]Am späten Nachmittag erreichen wir das Olifant Camp. Die Hütten im Park sind sauber, aber sehr spartanisch, bieten jedoch, wenn man rechtzeitig bucht und eine Hütte an vorderster Front erwischt (was uns gelungen ist), einen traumhaften Blick über den Olifants River und bis zur Grenze von Mosambique. Im Supermarkt decken wir uns noch mit etwas Bier und Savannah Dry für den Sundowner ein, genießen den Sonnenuntergang von unserer Terrasse aus und gehen anschließend ins Camp-Restaurant (Mugg & Bean’s) zum Essen. Das Personal könnte etwas freundlicher und motivierter sein, das Essen ist ganz o.k. – mehr aber auch nicht.

Da wir nach den letzten beiden aufregenden Frühaufsteher-Tagen doch ganz schön platt sind, gehen wir heute relativ zeitig ins Bett. Draußen weht inzwischen ein ziemlich stürmischer Wind und in der Nacht werden wir wach von wahnsinnig lautem, etwas unheimlich klingenden Gebrüll. Es hört sich an, als würde ein riesengroßes Tier direkt vor unserer Tür stehen, aber die Camps sind eingezäunt und außer den Affen, die überall sind, sollte da eigentlich nichts reinkommen. Wir verzichten aber gerne darauf, nachzuschauen, ziehen uns lieber die Decke ein bisschen weiter über den Kopf und versuchen, wieder einzuschlafen.