Zwischen Wein, Natur & den Niagarafällen in USA & Kanada

Reisezeitraum: 28. April – 11. Mai 2023
Reiseroute: Chicago – Indiana – Michigan – Ontario (Kanada) – Chicago
Dauer: 14 Tage

14 Tage Roadtrip durch den Mittleren Westen der USA sowie Südkanada im Frühjahr 2023 war eine perfekte Mischung aus Großstadtflair, spektakulären Landschaften, charmanten Kleinstädten, kulinarischen Entdeckungen und jeder Menge Wein.

Nach einem langen Winter in Deutschland stand unsere erste von zwei großen Reise des Jahres 2023 an. Unser Ziel: die Region der Großen Seen, eine oft unterschätzte Ecke Nordamerikas, die mit ihrer landschaftlichen Vielfalt überrascht. Von der pulsierenden Metropole Chicago über die traumhaften Küstenstraßen Michigans am Lake Michigan und Lake Huron bis in die renommierte Weinregion Niagara in Ontario – diese Route hatte alles, was das Reiseherz begehrt.

Die Planung

Eigentlich haben wir uns vorgenommen im Frühjahr 2023 mal wieder mit dem Auto nach Italien zu reisen, das Piemont haben wir ins Auge gefasst. Dann, an einem Samstag Morgen im Januar, ist Markus jedoch auf günstige Flugangebote in der Business Class in die USA gestossen, sogar mit Abflug ab Frankfurt. Mehrere Städte standen zur Auswahl, Chicago war auch dabei und da wird dort noch nicht waren, ist die Entscheidung schnell gefallen: Ein paar Tage Chicago und dann noch mit dem Auto die Großen Seen und vor allem die Niagarafälle erkunden.

Da die Flüge von TAP Air Portugal durchgeführt wurden, müssen wir auf dem Hin- und Rückweg jeweils einmal in Lissabon umsteigen. Leider war der Zubringer Flug von Frankfurt, bei dem wir 1,5 Stunden Umsteigezeit gehabt hätten nicht verfügbar und somit hatten wir nun ungefähr 8 Stunden Zeit, aber lest selbst. Gebucht hatten wir den Flug übrigens im Januar 2023 für 1’600€ pro Person.

Anreisetag: Frankfurt – Lissabon – Chicago

Frühmorgendlicher Start in Frankfurt

Unser Flug nach Lissabon startet heute Morgen bereits um 06:05 Uhr – das bedeutet: Wecker um 02:45 Uhr und Fahrt zum Flughafen Frankfurt, den wir gegen 4 Uhr erreichen. Immerhin ist der Flughafen angenehm leer, und unser Flieger steht bereits seit dem Vorabend in Frankfurt. Gute Voraussetzungen für einen pünktlichen Start.

Und tatsächlich: Es klappt alles wie am Schnürchen. Nach dem Start gibt es ein kaltes Frühstück, danach gönnen wir uns noch eine Mütze Schlaf. Dank einer Stunde Zeitverschiebung landen wir nach drei Flugstunden um 08:15 Uhr in Lissabon.

Foodtour durch Lissabon

Unser Weiterflug nach Chicago geht erst am späten Nachmittag um 17 Uhr. Was also tun mit acht Stunden Aufenthalt in Lissabon? Wir haben uns für die „Lisbon Brunch Petiscos Tour“ mit „Food Tour Lover“ entschieden, gebucht über „Get Your Guide“. So können wir Ecken der Stadt erkunden, die wir bei unserem Aufenthalt im letzten Jahr noch nicht gesehen haben – und hoffen gleichzeitig, unsere Müdigkeit damit zu überwinden.

Am Flughafen kämpfen wir uns durch die Menschenmassen zum Kiss&Fly (in der Ankunftshalle die linke Rolltreppe hoch, dann links raus) und bestellen einen Uber zum Startpunkt der Tour. Die Tour beginnt um 10 Uhr, und 15 Minuten vorher sind wir da – wir hatten doch einiges an Zeit am Flughafen und im morgendlichen Berufsverkehr verloren.

Am Treffpunkt, dem „Quiosque de Campo de Ourique“, lernen wir unseren Guide kennen. Er stammt aus Brasilien und lebt seit einigen Jahren in Lissabon. Außerdem ist noch ein sehr nettes Paar aus Südschweden dabei – wir vier sind die einzigen Teilnehmer. Unser erster Stopp führt uns zu einem Café, wo wir „Pão de Deus“ probieren dürfen: süße Kokos-Brötchen, gefüllt mit geschmolzenem Käse. Diese süß-herzhafte Kombination ist einfach herrlich!

Weiter geht’s zum Mercado de Campo de Ourique. Dort probieren wir an einem Stand geröstete Mandeln in den Geschmacksrichtungen Salzkaramell und Ingwer-Zimt. Zwischen den verschiedenen Stopps versorgt uns unser Guide mit interessanten Informationen über das Stadtviertel. Auch das schwedische Pärchen ist sehr sympathisch – wir haben viel zu erzählen und zu lachen, und so vergeht die Zeit zwischen den Flügen wie im Flug.

Der nächste Stopp ist ein kleines Restaurant, in dem wir eine Platte mit verschiedenen Wurst- und Käsesorten sowie eine Flasche Vinho Verde serviert bekommen.

Zum Abschluss geht es zum Mittagessen in ein weiteres Restaurant. Der Eingang ist absolut unscheinbar, doch über eine Treppe gelangt man in ein charmantes Lokal mit schönem Innenhof. Wir essen Hühnchen mit Reis, trinken dazu einen Weißwein, und als Nachtisch gibt es vegane Pastéis de Nata, die unser Guide vorher besorgt hatte.

Zurück zum Flughafen und Weiterflug nach Chicago

Gut unterhalten, angenehm gesättigt und überraschenderweise gar nicht müde, rufen wir einen Uber und lassen uns zurück zum Flughafen fahren. Dieser ist gefühlt noch voller als am Morgen. Gut, dass wir für den Sicherheitscheck den Fast Track nutzen dürfen (dazu rechts halten). Die Lounge ist ebenfalls überfüllt, aber wir ergattern noch einen Platz und überbrücken die Zeit bis zum Abflug bei einem Glas Cava. Wir verlassen die Lounge zeitig, da wir noch durch die Passkontrolle müssen. Am Gate angekommen, müssen wir noch ein paar Fragen bezüglich Corona beantworten – die USA haben im April 2023 immer noch eine Impfpflicht, die erst am 11. Mai aufgehoben wird.

Unser Flug startet pünktlich Richtung Chicago und ist an sich wenig spektakulär. Alex und ich sitzen hintereinander am Fenster, Essen und Crew sind eher durchschnittlich. Die meiste Zeit schlafen wir – wir sind mittlerweile doch schon 15 Stunden auf den Beinen.

Ankunft in Chicago

Wir landen überpünktlich um 19:30 Uhr am Chicago O’Hare Airport. Nach 30 Minuten Fahrt bis zum Gate in Terminal 5 und weiteren 30 Minuten Wartezeit bei der Immigration sammeln wir unser Gepäck ein und machen uns auf die Suche nach dem Uber/Lyft-Abholpunkt. Dafür müssen wir allerdings erst noch mit dem Zug zu Terminal 2 wechseln. Mit einem Lyft (war günstiger als Uber, ca. 50 USD) geht es in weiteren 30 Minuten zu unserem Hotel, dem Fairmont Millennium Park. Nach dem Einchecken und Beziehen unseres Zimmers gehen wir noch auf einen Absacker in die Hotelbar und fallen dann müde ins Bett.

Tag 2: Chicago – Millennium Park, Foodtour und Hancock Tower

Morgenspaziergang am Lake Michigan

Aufgrund der Zeitverschiebung sind wir wie erwartet zeitig wach und beschließen, vor dem Frühstück schon mal die nähere Umgebung des Hotels zu erkunden. Erster Anlaufpunkt ist der nur einen Block entfernte Millennium Park mit dem Cloud Gate (der berühmten „Bean“) und dem Crown Fountain. Über die BP Pedestrian Bridge gelangen wir an die Lakefront und genießen den Ausblick und die Weite des Lake Michigan. Nun aber zurück ins Hotel.

Frühstück im Fairmont

Das Frühstück gibt es à la carte im Hotelrestaurant und ist in unserem Fall im Zimmerpreis inkludiert. Nachdem uns ein Platz am Fenster zugewiesen wurde, ordern wir von der Karte: Kaffee, Orangensaft (vom Kellner einfach nur „OJ“ genannt), Breakfast Burrito mit Bratkartoffeln und Bagel mit Lachs.

Riverwalk und Magnificent Mile

Frisch gestärkt spazieren wir nach dem Frühstück den Riverwalk entlang und anschließend Richtung Magnificent Mile. Das Wetter meint es leider nicht gut mit uns – es regnet. Wir sind beide keine großen Starbucks-Fans, aber dieser auf der Magnificent Mile muss man gesehen haben: Über fünf Etagen werden verschiedene Spezialitäten angeboten, und in der obersten Etage gibt es sogar eine Bar, die Alkohol ausschenkt – natürlich auch Espresso Martini.

Chicago Food Tour

Nun müssen wir aber weiter, denn um 13 Uhr treffen wir uns zur nächsten Foodtour. Leider ist der 45-minütige Spaziergang dorthin von Regen begleitet. Die Tour (Gateway To The West Loop) haben wir bei „Chicago Food Tours“ zum Preis von 214USD für 2 Personen inklusive Alkohol-Paket gebucht. Wir treffen uns vor einem italienischen Restaurant, das auch gleichzeitig unser erster Stopp ist. Nach und nach treffen die Teilnehmer ein – insgesamt sind wir eine Gruppe von etwa 15 Personen.

Bei unserem ersten Stopp im Restaurant „Formento’s“ gibt es Meatballs. Da wir auch die Alkohol-Option gebucht haben, bekommen wir ein Glas Rotwein dazu. Danach geht’s weiter zum „Gaijin„, einem japanischen Restaurant, dessen Spezialität Okonomiyaki ist, das wir dann natürlich auch verkosten. Weiter geht es zum Time Out Market, wo wir uns einen Platz suchen, während unsere Guides uns Getränke und Urbanbelly Caramelized Chicken Dumplings organisieren. Der Time Out Market ist mittlerweile (Stand Februar 2026) dauerhaft geschlossen. Nächster Stopp ist bei „Good Ambler„, wo es Schokoladenpralinen gibt. Danach gibt es wieder etwas Herzhaftes: Pizza bei „Bonci“ mit Prosecco aus der Dose. Zum Abschluss gibt es Cupcakes bei „Molly’s Cupcakes„.

Vollgegessen treten wir den Heimweg an und ruhen uns im Hotel etwas aus, um für das Abendprogramm fit zu sein.

Sonnenuntergang auf dem Hancock Tower

Als Abendprogramm steht noch der Hancock Tower mit seinem Observation Deck auf dem Programm, etwa 30 Gehminuten vom Hotel entfernt. Wir haben Tickets für 18:30 Uhr, um den Sonnenuntergang zu sehen. Und tatsächlich haben wir Glück mit dem Wetter! Nachdem wir Bilder in alle Himmelsrichtungen gemacht haben, besorgen wir uns zwei Getränke und ergattern einen Sitzplatz, von dem aus wir perfekt den Sonnenuntergang beobachten und genießen können.

Zu Fuß geht’s zurück zum Hotel und ohne Umweg über die Bar direkt ins Bett.

Tag 3: Chicago – Hancock Tower, Architecture Boat Tour und Deep Dish Pizza

Willis Tower und das Skydeck

Für heute haben wir uns Karten für einen weiteren Wolkenkratzer besorgt. Die Tickets für den Hancock Tower gestern sowie den Willis Tower, den wir heute besichtigen, haben wir über den „Go City Explorer“-Pass erworben, den wir vorab in Deutschland online für 160 USD für 2 Personen gekauft haben. Hier waren drei Attraktionen inkludiert – die dritte, eine Bootsfahrt, steht später noch auf dem Plan.

Zunächst gehen wir zu Fuß etwa 30 Minuten zum Willis Tower, der bis 2009 Sears Tower hieß. Unsere Tickets haben wir für 8:30 Uhr, und wir machen uns den Jetlag zunutze: So können wir die Aussichtsplattform, Skydeck genannt, in der 103. Etage auf 413 Metern Höhe fast menschenleer genießen. An den Glasbalkonen herrscht somit auch kein Anstehen, und wir können den Adrenalinkitzel voll auskosten. Auch das Wetter spielt mit – das sollte später am Tag und morgen leider nicht mehr der Fall sein.

Nach etwa einer Stunde machen wir uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel.

Frühstück im Fairmont

Im Hotel gehen wir frühstücken. Im Gegensatz zu gestern und den beiden folgenden Tagen ist heute einiges mehr los. Man muss zwar nicht für einen Tisch anstehen, der Service dauert aber doch einiges länger.

Architecture Boat Tour

Gestärkt und mit einem Regenschirm aus dem gegenüberliegenden CVS-Laden ausgestattet, gehen wir zum Fluss und folgen diesem bis zur Magnificent Mile. Neben dem großen Apple Store befindet sich der Ticketschalter für die Architecture Boat Tour. Wir bekommen Tickets für die nächste Abfahrt. Die Fahrt dauert 75 Minuten und deckt alle drei Flussarme ab. Leider schüttet es immer wieder mal so heftig, dass wir die Fahrt nicht wirklich so genießen können, wie wir es gerne würden.

Deep Dish Pizza bei Giordano’s

Etwas durchgefroren gehen wir zum Navy Pier. Wenn man in Chicago ist, sollte man auch eine sogenannte Deep Dish Pizza essen – und die am besten in einer der Filialen von „Giordano’s“. In der Filiale am Navy Pier angekommen, wird uns mitgeteilt, dass eine Wartezeit von etwa 45 Minuten besteht. Es dauert aber auch ebenso lange, die Pizza vorzubereiten. Daher sollen wir schon mal unseren Wunsch äußern. Sobald ein Tisch frei wird, bekommen wir eine SMS, und auf die Pizza sollen wir dann auch nicht mehr lange warten.

Die Zeit wollen wir uns im Einkaufszentrum vertreiben. Allerdings bekomme ich nach weniger als 10 Minuten schon die Info, dass unser Tisch verfügbar wäre. Also gehen wir direkt zum Lokal zurück, bekommen unseren Platz zugewiesen, bestellen unsere Getränke und erhalten nach etwa 20 Minuten Wartezeit unsere Pizza, die wir uns teilen – anders ist diese nicht zu schaffen.

Tag 4: Chicago

Morgendliche Erkundungstour

Es regnet immer noch… Wie schon in den letzten beiden Tagen drehen wir vor dem Frühstück die erste Runde und gehen zum Startpunkt der Route 66. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Al Bundy Brunnen und spazieren durch den Millennium Park.

Spaziergang am Lake Michigan

Nach dem Frühstück spazieren wir bei Regen und eiskaltem Wind am Ufer des Lake Michigan bis zum Lincoln Park, von dort zurück Richtung Downtown. Wir wärmen uns im Starbucks bei Kaffee, heißer Schokolade und Kuchen auf.

Shopping und Abendessen

Wieder draußen im Regen schlendern wir durch’s Macy’s und kehren dann ins Hotel zurück. Zum Abendessen gehen wir ins „Portillo’s“, bekannt für seine Hot Dogs. Sehr lecker!

Tag 5: Von Chicago nach Grand Haven

  • Datum: 02.05.2023
  • Tagesetappe: 180 Meilen
  • Unterkunft: B&B Captain’s Cottage

Abschied von Chicago und Mietwagenübernahme

Nach dem Aufstehen packen wir unsere Koffer – heute werden wir unseren Mietwagen übernehmen und den Roadtrip starten. Doch zunächst gehen wir zum letzten Mal im Hotel frühstücken. Danach holen wir unsere Koffer und checken aus. In der Nacht hatte man uns bereits die Rechnung unter der Tür ins Zimmer geschoben, leider war diese fehlerhaft. Die Dame an der Rezeption nahm sich des Problems an und korrigierte sie. Ich hatte das Gefühl, zu meinen Gunsten – aber das soll uns egal sein.

Wir lassen die Koffer im Hotel und gehen etwa 20 Minuten zur Alamo-Vermietstation. Diese ist etwas schwierig in einem Bürogebäude zu finden, aber auch das bekommen wir hin. Danach geht’s in die Garage, und wir übernehmen unser Auto, einen Chevrolet Trailblazer. Zunächst fahren wir zum Hotel, laden die Koffer ein, und dann geht es hinaus aus der Stadt. Erster Anlaufpunkt ist nach etwa 30 Minuten ein Walmart, bei dem wir uns mit ein paar Lebensmitteln für die kommenden Tage eindecken und uns natürlich wie immer über die amerikanischen Verpackungsgrößen amüsieren.

Durch Indiana Richtung Michigan

Unser Etappenziel für heute ist Grand Haven, Michigan, am Ostufer des Lake Michigan, wo wir ein Bed & Breakfast gebucht haben. Nach Chicago verlassen wir den Bundesstaat Illinois und fahren durch Indiana, dort folgen erst einmal Industriegebiete mit einer riesigen BP-Raffinerie und Stahlwerken, danach etwas heruntergekommene Wohngebiete – unter anderem die Stadt Gary, wo Michael Jackson in seiner Kindheit lebte.

Indiana Dunes State Park

Nach ca einer Stunde Autofahrt erreichen wir den Indiana Dunes State Park, dort wollen wir uns die Sanddünen anschauen. Das Wetter ist nicht so toll, aber dennoch bezahlen wir die 25 USD Eintritt und gehen einen kleinen Rundkurs am Strand entlang und über die Dünen.

Old Lighthouse Museum und Shady Creek Winery

Bevor wir nach 30 Minuten Autofahrt zu einer ersten Rast einkehren, stoppen wir noch kurz am Old Lighthouse Museum in Michigan City, machen ein paar Schnappschüsse und fahren dann in die Shady Creek Winery am Rande der Stadt

Die Shady Creek Winery liegt malerisch am Rande von Michigan City, Indiana (ja, Michigan City liegt nicht in Michigan) nur wenige Minuten von der Küste des Lake Michigan entfernt. Das familiengeführte Weingut überrascht mit einer beachtlichen Auswahl an Weinen aus eigenem Anbau – und ja, auch in Indiana wachsen Trauben! Besonders bemerkenswert: Die Qualität kann durchaus mit bekannteren Weinregionen mithalten.

Neben Weinproben – auf welche wir verzichten, ein Gläschen muss reichen – bietet die Winery auch eine kleine Speisekarte mit Flatbreads, Käseplatten und anderen Snacks – perfekt für eine entspannte Mittagspause auf dem Weg durch den Mittleren Westen. Wir probieren also unserem ersten Wein aus Indiana und tatsächlich positiv überrascht. Auch das Flatbread ist sehr lecker.

Leuchttürme und Ankunft in Grand Haven

Danach fahren wir weiter die Küste entlang und schauen uns bei rauer See – man kann gar nicht glauben an einem See zu sein – einige Leuchttürme an, unter anderem das South Peer Lighthouse am St Joseph River. Dieser Leuchtturm ist einer der fotogensten Leuchttürme an der Ostküste des Lake Michigan. Der charakteristische rot-weiße Leuchtturm thront am Ende eines langen Wellenbrechers, der weit in den See hinausragt. Bei rauer See peitschen die Wellen spektakulär gegen die Pier – ein beeindruckendes Naturschauspiel, das die raue Schönheit der Großen Seen eindrucksvoll zur Geltung bringt.

Am frühen Abend erreichen wir Grand Haven, ein charmantes Küstenstädtchen am östlichen Ufer des Lake Michigan mit knapp 11.000 Einwohnern.

Unsere heutige Unterkunft ist das B&B Captain’s Cottage, welches sich in einer ruhigen Wohngegend befindet. Nachdem wir uns häuslich in der „Foredeck Suite“ eingerichtet und die Heizung eingeschaltet haben, gehen wir zu Fuß drei Minuten zu einer Kneipe namens „Snug Harbor„, die direkt am Grand River liegt, und wo wir bei Wein und Bier, einer Thunfisch-Bowl und Burger den Abend ausklingen lassen.

Tag 6: Von Grand Haven nach Traverse City

Morgenspaziergang in Grand Haven und Frühstück

Wir starten unseren Tag mit einem Bummel entlang des Grand River bis zum Grand Haven State Park. Besonders sehenswert ist die lange Pier mit dem markanten rot leuchtenden Grand Haven Lighthouse, die zu den meistfotografierten Motiven Michigans zählt.

Zum Frühstück kehren wir bei „Anna’s House“ ein, wo wir French Toast sowie Avocado Toast mit Eiern und etwas Obstgarnitur essen. Gut gestärkt schlendern wir noch etwas durch die malerische Innenstadt, die mit kleinen Shops, Cafés und Restaurants typisch amerikanisches Kleinstadtflair versprüht. Wir kehren zur Unterkunft zurück und fahren von dort mit dem Auto weiter Richtung Norden. Unser heutiges Tagesziel ist Traverse City.

Auf dem M-22 Scenic Highway

Wir verlassen Grand Haven über die US-31 Richtung Norden. Bei Manistee wechseln wir dann auf den M-22 (Michigan Highway). Dieser gilt als eine der schönsten Panoramastraßen Michigans und wird uns heute sowie morgen begleiten.

Arcadia Marsh Nature Preserve

Unser erster Stopp nach etwa zwei Stunden Fahrt ist das Arcadia Marsh Nature Preserve, ein kleines Naturschutzgebiet an der Küste des Lake Michigan, südlich des Örtchens Arcadia. Ein gut ausgebauter Holzsteg führt durch das Sumpfgebiet und bietet spektakuläre Ausblicke auf die Dünenlandschaft und den glitzernden See.

Arcadia Scenic Turnout

Nach ein paar Kilometern Autofahrt erreichen wir den Arcadia Scenic Turnout, einen der spektakulärsten Aussichtspunkte entlang des M-22. Von der erhöhten Plattform aus bietet sich ein atemberaubender Panoramablick über die bewaldeten Steilhänge hinunter auf den tiefblauen Lake Michigan. An klaren Tagen reicht die Sicht über die endlose Wasserfläche bis zum Horizont – ein perfekter Fotostopp, der die beeindruckende Größe und Schönheit der Great Lakes eindrucksvoll verdeutlicht. Wir treffen dort auf ein Paar aus Deutschland, mit dem wir ins Gespräch kommen und einen netten Austausch haben.

Frankfort Beach

Nächster Stopp ist Frankfort, ein malerisches Hafenstädtchen zwischen dem Lake Michigan und dem Betsie Lake. Besonders schön ist der Frankfort Beach mit seinem feinen Sand und dem kristallklaren Wasser – im Sommer ein beliebter Badestrand. Dort legen wir einen kurzen Fotostopp ein.

Ankunft in Traverse City, Abendspaziergang und Dinner

Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Norden und biegen dann in Empire auf den Highway M-72 Richtung Osten ab. Am späten Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft, das Hotel Indigo by IHG. Am frühen Abend vertreten wir uns noch etwas die Beine und spazieren die Bay entlang. Zum Abendessen kehren wir im Restaurant „Apache Trout Grill“ ein.

Tag 7: Leelanau Peninsula

Heute bleiben wir in der Gegend und erkunden die Leelanau Peninsula am Lake Michigan. Der M-22 Highway, dem wir gestern schon zum Teil weiter südlich gefolgt sind, schlängelt sich über etwa 116 Meilen entlang der Küste der Leelanau Peninsula. Die Route führt durch malerische Küstenorte, vorbei an endlosen Kirschplantagen, durch dichte Wälder, und immer wieder eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf die türkisfarbenen Gewässer des Sees. Besonders reizvoll sind die Abstecher zu den zahlreichen Weingütern, einsamen Buchten und historischen Leuchttürmen entlang der Strecke – der M-22 ist definitiv eine Straße, auf der man sich Zeit lassen sollte. Und das machen wir heute auch.

Frühstück und Pierce Stocking Scenic Drive

Da im Hotel kein Frühstück inkludiert ist, suchen wir uns zunächst in der Stadt ein Café zum Frühstücken. Unsere erste Anlaufstelle des Tages ist der Pierce Stocking Scenic Drive. Dazu fahren wir über den Highway 72 zurück Richtung Empire und biegen dann nach Norden ab. Der Scenic Drive ist eine 7,4 Meilen lange Panoramastraße, die sich durch die Dünenlandschaft des Sleeping Bear Dunes National Lakeshore schlängelt. Die Einbahnstraße führt durch dichte Wälder und bietet an zwölf ausgewiesenen Aussichtspunkten atemberaubende Ausblicke auf den Lake Michigan, die bewaldeten Hügel und die markanten Sanddünen. Leider bleibt uns das verwehrt, da die Straße geschlossen ist.

Sleeping Bear Point Trail

Also fahren wir weiter zum Dune Climb des Sleeping Bear Dunes Park. Da wir dort aber wieder 25 USD Eintritt bezahlen müssten, fahren wir direkt weiter Richtung Norden bis an die Küste und parken dort auf dem großen Parkplatz. Wir laufen die Sleeping Bear Dunes Road entlang zum Trailhead des Sleeping Bear Point Trail, einem 2,8 Meilen langen Rundwanderweg, der durch dichte Wälder und über Sanddünen zum historischen Sleeping Bear Point Lighthouse führt. Der Weg ist überwiegend flach und gut begehbar, nur auf den letzten Metern geht es durch sandiges Gelände. Vom Leuchtturm aus hat man einen fantastischen Blick über den Lake Michigan und die vorgelagerten Manitou Islands. Der Trail ist besonders reizvoll, weil er die Vielfalt des Sleeping Bear Dunes National Lakeshore zeigt – von schattigen Waldpassagen über Dünenlandschaften bis hin zur spektakulären Küstenlinie.

Good Harbor Vineyards

Zurück am Auto fahren wir die Highways 109 und 22 weiter über die Leelanau-Halbinsel Richtung Nordosten. Unser nächster Stopp sind die Good Harbor Vineyards. Das Weingut zählt zu den renommiertesten der Leelanau Peninsula und liegt nur wenige Meilen vom Lake Michigan entfernt. Im gemütlichen Tasting Room probieren wir ein paar Weine. Die entspannte Atmosphäre und das freundliche Personal machen den Besuch zu einem angenehmen Erlebnis. Wer mag, kann sich auf der Terrasse niederlassen und ein Glas Wein mit Blick auf die Reben genießen – wir haben allerdings noch einiges vor heute und fahren deshalb weiter.

Mittagspause in der Dune Bird Winery

So langsam bekommen wir Hunger, und so ist das nächste Ziel die Dune Bird Winery. Die Dune Bird Winery ist ein kleineres, charmantes Weingut, das mit seiner entspannten Atmosphäre besticht. Der moderne Tasting Room lädt ebenfalls zum Verweilen ein, und so probieren wir drei Weine und bestellen ein Charcuterie Board – eine Platte mit Wurst und Käse.

Leelanau State Park und Grand Traverse Lighthouse

Am frühen Nachmittag setzen wir unsere Reise fort, und zwar zum Leelanau State Park mit dem Grand Traverse Lighthouse. Der Leelanau State Park liegt an der nördlichsten Spitze der Leelanau Peninsula und markiert die Einfahrt zur Grand Traverse Bay. Hauptattraktion des Parks ist der historische Grand Traverse Lighthouse aus dem Jahr 1858, der heute als Museum dient und Einblicke in das Leben der Leuchtturmwärter gibt. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über den Lake Michigan und die umliegende Küstenlandschaft. Mehrere Wanderwege führen durch den Park, wobei wir es beim Fotografieren belassen.

Two K Farms Cidery & Winery

Von hier fahren wir den Highway M-22, diesmal am Ostufer der Halbinsel, wieder Richtung Süden. Unser letzter Stopp führt uns zur Two K Farms Cidery & Winery, die malerisch am West Grand Traverse Bay Shore Drive in der Nähe von Suttons Bay liegt. Das Weingut hat sich auf Apfelweine (Cider) spezialisiert und bietet eine entspannte, rustikale Atmosphäre. Im Tasting Room kann man sich durch die verschiedenen Cider-Sorten und Weine probieren, die oft mit regionalen Früchten und traditionellen Methoden hergestellt werden. Wir nehmen am Tresen Platz und wählen fünf verschiedene Obstweine aus dem großen Angebot aus – mal eine etwas andere Weinprobe. Im Herbst dieses Jahres werden wir in Australien auch noch mal verschiedene Obstweine verköstigen.

Zurück in Traverse City

Zurück in Traverse City essen wir noch eine Kleinigkeit zu Abend und fallen danach müde ins Bett.

Tag 8: Von Traverse City nach St. Ignace

  • Datum: 05.05.2023
  • Tagesetappe: 150 Meilen
  • Unterkunft: Holiday Inn Express, St. Ignace

Am Freitag ist das Wetter wieder deutlich schlechter als gestern – strömender Regen ist angesagt. Nach dem Frühstück bei der Grand Traverse Pie Company (sehr süßer Cinnamon Roll und Kirsch-Muffin) verlassen wir Traverse City. Unser Tagesziel heute ist St. Ignace am Nordufer der Mackinacstraße, welche den Michigansee mit dem Huronsee verbindet.

Old Mission Peninsula und Mission Point Lighthouse

Doch zunächst erkunden wir die schmale Landzunge Old Mission, die sich etwa 18 Meilen lang in die Grand Traverse Bay erstreckt und Traverse City mit dem Old Mission Point Lighthouse im Norden verbindet. Entlang des M-37 Highway reihen sich zahlreiche Weingüter aneinander, unterbrochen von Kirschplantagen und charmanten Farmständen.

Wir fahren also zuerst bis ganz an die Nordspitze und besuchen das Mission Point Lighthouse, das 1870 in Betrieb genommen wurde. Der weiß gestrichene Leuchtturm mit seinem charakteristischen quadratischen Turm dient heute als Museum und kann besichtigt werden. Besonders bemerkenswert ist die Lage: Hier verläuft exakt der 45. Breitengrad, was durch einen Marker gekennzeichnet ist – man steht also genau auf halber Strecke zwischen Äquator und Nordpol. Ein idyllischer Ort, um die Ruhe zu genießen und ein paar Fotos zu schießen.

Chateau Chantal Winery and Inn

Wir fahren wieder zurück Richtung Traverse City und machen unterwegs noch einen Halt bei einem weiteren Weingut. Das Chateau Chantal Winery and Inn thront majestätisch auf einem Hügel der Old Mission Peninsula und bietet normalerweise einen atemberaubenden 360-Grad-Blick über die Grand Traverse Bay. Das im französischen Château-Stil erbaute Weingut zählt zu den elegantesten der Region und vereint gehobene Weinkultur mit luxuriösem Ambiente. Im stilvollen Tasting Room probieren wir uns durch die hauseigenen Weine. Leider macht uns das regnerische Wetter einen Strich durch die Rechnung: Die eigentlich spektakuläre Aussicht auf das Wasser und die umliegenden Weinberge bleibt uns heute verwehrt. Aber die Weine entschädigen für den grauen Himmel.

WaterFire Vineyards – Torch Lake Winery

Nun lassen wir Traverse City wirklich hinter uns und folgen dem Highway 31 nach Norden. Nach einer Stunde erreichen wir die WaterFire Vineyards – Torch Lake Winery. Diese liegt malerisch in der Nähe des Torch Lake und bietet eine familiäre Atmosphäre. In dem Weingut entdecken wir ein besonderes Trinkgefäß: Die Weine werden hier in speziellen Gläsern serviert, die den pfälzischen Dubbegläsern sehr ähnlich sind – eine charmante Reminiszenz an deutsche Weinkultur mitten in Michigan.

Petoskey

Wir setzen unsere Reise Richtung Norden nach Petoskey fort. Petoskey ist eine charmante Kleinstadt mit rund 6.000 Einwohnern am Ufer des Lake Michigan und gilt als eines der beliebtesten Reiseziele in Nordmichigan. Wir schlendern bei weiterhin regnerischem Wetter durch die Stadt und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. Die Stadt bietet einen schönen Blick auf die Little Traverse Bay und versprüht mit ihrer Mischung aus historischem Charme und modernem Flair typisch nordamerikanisches Kleinstadtambiente. Zum Aufwärmen kehren wir im Café „Roast & Toast“ ein.

Über die Mackinac Bridge nach St. Ignace

Wir fahren weiter auf dem Highway 31, der kurz vor Mackinaw City in die I-75 mündet. Über die Mackinac Bridge (4 USD Maut) erreichen wir unser Tagesziel St. Ignace. Hier haben wir eine Nacht im Holiday Inn Express gebucht.

Abendessen im Mackinac Grille

Da es auch bei Ankunft noch regnet und wir relativ spät angekommen sind, fahren wir mit dem Auto zum Abendessen ins „Mackinac Grille & Patio Bar“. Alex entscheidet sich für Fisch und Markus für ein Steak – beides sehr lecker.

Tag 9: St. Ignace nach Frankenmuth

Auf dem Scenic Highway 23 entlang des Lake Huron

Der heutige Morgen begrüßt uns, wie der gestrige Tag sich verabschiedet hatte: mit strömendem Regen und kaltem Wind. Die I-75 wäre die schnellste Verbindung zu unserem heutigen Ziel Frankenmuth. Trotz des schlechten Wetters wollen wir aber doch während der Autofahrt etwas die Landschaft genießen und fahren deshalb den Scenic Highway 23 Richtung Süden. Der Highway führt entlang der Westküste des Lake Huron und gilt als eine der landschaftlich reizvollsten Strecken im Nordosten Michigans. Die Route schlängelt sich durch dichte Wälder, vorbei an historischen Leuchttürmen und Küstenstädtchen, wobei sich immer wieder Ausblicke auf den Lake Huron eröffnen. Die Strecke ist deutlich weniger touristisch als der M-22 am Lake Michigan, den wir im Rahmen dieser Reise ja auch schon gefahren sind.

Cheboygan Crib Rear Light

Einen dieser Leuchttürme, das „Cheboygan Crib Rear Light“, statten wir einen Besuch ab und schießen ein paar Fotos. Dieser Leuchtturm steht zusammen mit einem weiteren Leuchtturm am Anfang und Ende eines langen Wellenbrechers am Cheboygan River, der dort in den Lake Huron mündet. Der 1884 erbaute Leuchtturm diente ursprünglich dazu, Schiffen die sichere Einfahrt in den Hafen zu weisen.

Alpena und Thunder Bay Winery & Brew

Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichen wir Alpena, eine Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern am Westufer des Lake Huron. Sie dient als Tor zum Thunder Bay National Marine Sanctuary. Wir machen Halt bei der Thunder Bay Winery & Brew, die sowohl Weine als auch hauseigene Biere anbietet – eine eher seltene Kombination. Im gemütlichen Tasting Room probieren wir uns durch einige Weine und genießen die entspannte Atmosphäre. Eine angenehme Pause auf unserer Fahrt entlang des Highway 23.

Ankunft in Frankenmuth – „Little Bavaria“

Nach weiteren drei Stunden Fahrt erreichen wir das Ziel des Tages. Frankenmuth ist ein kurioses Städtchen im Herzen Michigans, das sich selbst als „Little Bavaria“ bezeichnet und tatsächlich deutsche Wurzeln hat – gegründet 1845 von fränkischen Einwanderern aus Bayern. Die Stadt hat sich dieses Erbe zu eigen gemacht und zelebriert es mit bayrischer Architektur, Fachwerkhäusern und einer fast schon klischeehaften deutschen Atmosphäre. Die Hauptstraße ist gesäumt von Souvenirläden, Bäckereien mit deutschen Spezialitäten und Restaurants, die Schnitzel und Bratwurst servieren. Besonders bekannt ist Frankenmuth für Bronner’s Christmas Wonderland, den angeblich größten Weihnachtsladen der Welt, der das ganze Jahr über geöffnet ist. Für deutsche Besucher ist Frankenmuth eine amüsante Mischung aus Nostalgie und amerikanischer Interpretation deutscher Kultur – charmant skurril und definitiv einen Stopp wert.

Wir checken im Frankenmuth Motel ein, und endlich traut sich auch die Sonne wieder heraus – es wird richtig warm. Wir schlendern durch das Deutschland-Wunderland und landen dann im Garten der Weinbar „Prost„. Bei einem Wine Flight, Bruschetta und Flatbread lassen wir es uns gut gehen. Wein und Essen sind sehr lecker, allerdings auch ziemlich teuer.

Tag 10: Von Frankenmuth nach Niagara-on-the-Lake

Abschied von Frankenmuth

Im Motel ist zwar das Frühstück im Preis enthalten, aber wie so oft nicht wirklich ansprechend, und so suchen wir den nächsten Starbucks auf. Unsere Reise führt uns heute Richtung Osten zur kanadischen Grenze, die wir bei Port Huron passieren werden. Unser Tagesziel ist Niagara-on-the-Lake. Das Wetter hat sich wieder verschlechtert, und so verlassen wir Frankenmuth bei strömendem Regen – allerdings ist es nicht mehr ganz so kalt.

Über die Blue Water Bridge nach Kanada

Bis zur kanadischen Grenze sind es 90 Meilen, die wir weitestgehend auf Interstates zurücklegen. Zwischenstopps legen wir keine ein, und so erreichen wir nach einer Stunde und 45 Minuten Fahrzeit die Grenze und fahren über die Blue Water Bridge. Die Blue Water Bridge verbindet Port Huron in Michigan mit Sarnia in Ontario und ist einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen den USA und Kanada. Die markante Brücke über den St. Clair River besteht eigentlich aus zwei parallel verlaufenden Brückenkonstruktionen und bietet während der Überfahrt einen beeindruckenden Blick über den breiten Fluss, der den Lake Huron mit dem Lake Erie verbindet.

Der Grenzübergang selbst ist gut organisiert, und wir sind innerhalb weniger Minuten auf kanadischem Boden und können unsere Reise durch Ontario, Kanadas bevölkerungsreichste Provinz, fortsetzen. Sie erstreckt sich von den Großen Seen im Süden bis zur Hudson Bay im hohen Norden. Die Provinz ist geprägt von landschaftlicher Vielfalt: Wälder, Seen, Kleinstädte, aber auch pulsierende Metropolen wie Toronto und Ottawa, die Hauptstadt Kanadas.

Wir werden im Rahmen dieser Reise den Süden Ontarios entlang der Großen Seen besuchen. Die Region ist touristisch gut erschlossen und bietet alles von Weinregionen über historische Städtchen bis hin zu den weltberühmten Niagarafällen.

Durchfahrt durch London

Auf der weiteren Strecke ist London die nächstgrößere Stadt. London ist mit rund 400.000 Einwohnern eine der größeren Städte in Südontario und liegt etwa auf halbem Weg zwischen Toronto und Detroit. Die Stadt verdankt ihren Namen ihrem britischen Namensvetter und hat sogar einen Thames River – eine Erinnerung an die koloniale Vergangenheit Kanadas. Eigentlich wollen wir hier einen Stopp einlegen und uns die Stadt anschauen. Wir fahren durch die Vororte und durch das Zentrum, finden aber irgendwie nichts ansprechendes und fahren deshalb weiter.

Weingüter in der Niagara-Region

Unser nächster Stopp ist dann schon in der Nähe unseres Tagesziels Niagara-on-the-Lake: das Weingut Peninsula Ridge Estates Winery, wo wir einige Weine verköstigen und eine Kleinigkeit essen. Danach besuchen wir noch ein weiteres Weingut, die 180 Estate Winery.

Das Peninsula Ridge Estates Winery zählt zu den etablierten Weingütern der Niagara-Region. Das historische Hauptgebäude aus dem 19. Jahrhundert beherbergt einen stilvollen Tasting Room sowie ein gehobenes Restaurant. Die Weine reichen von Weißweinen über Rotweine bis hin zu den für die Region typischen Eisweinen.

Das 180 Estate Winery ist ein kleineres, familiengeführtes Weingut mit einem modernen Tasting Room. Auch hier zeigt die Weinauswahl die Vielfalt der Niagara-Region.

Ankunft in Niagara-on-the-Lake

Wir fahren weiter zu unserer heutigen Unterkunft, dem Best Western Colonel Butler Inn. Es liegt in ruhiger Lage am Rande von Niagara-on-the-Lake und bietet eine perfekte Ausgangsbasis, um das Städtchen zu Fuß zu erkunden.

Wir haben uns bewusst für eine Unterkunft in Niagara-on-the-Lake entschieden und nicht direkt an den Niagara-Fällen übernachtet – dort ist es uns einfach zu touristisch und kommerziell. Zwar hätten wir so abends noch die Möglichkeit gehabt, die beleuchteten Fälle bei Dunkelheit zu bestaunen, aber die ruhigere Atmosphäre hier war uns wichtiger.

Niagara-on-the-Lake selbst ist ein malerisches Örtchen am Zusammenfluss des Niagara River und des Lake Ontario und gilt als eines der schönsten Orte in ganz Kanada. Das Städtchen liegt im Herzen der Niagara-Weinregion und ist umgeben von erstklassigen Weingütern, von denen wir ja heute schon zwei besucht haben.

Abendspaziergang durch die Altstadt

Nachdem wir eingecheckt haben, schlendern wir noch gemütlich durch die historische Altstadt mit ihrer viktorianischen Architektur, liebevoll restaurierten Häusern aus dem 19. Jahrhundert und einer Hauptstraße mit kleinen Boutiquen, Cafés und Restaurants. Auf der anderen Seite des Lake Ontario erblicken wir die Silhouette von Toronto. Zum Abendessen haben wir uns das Restaurant „11th Post on Queen“ ausgesucht.

Tag 11: Niagara-on-the-Lake / Niagara Falls

Früher Start zu den Niagarafällen

Heute steht eines der Highlights unseres Urlaubs auf dem Plan – wir wollen zu den Niagarafällen. Wir werden mit strahlender Sonnenschein geweckt und stehen zeitig auf. Das Frühstück ist im Hotelpreis inkludiert und gehört zu den besseren auf unserer Reise. Vor allem die nette ältere Dame, die sich warmherzig um uns Gäste kümmert, bleibt uns positiv in Erinnerung.

Fahrt entlang des Niagara River Parkway

Wir fahren etwa 30 Minuten den landschaftlich sehr reizvollen Niagara River Parkway am Niagara River entlang. Von weitem erkennen wir schon die Hoteltürme von Niagara Falls. Wir haben Glück und es ist noch wenig los – wir parken auf dem sehr großen und (noch) leeren Parkplatz A.

Die Niagarafälle gehören zweifellos zu den bekanntesten Naturwundern Nordamerikas und markieren die Grenze zwischen den USA und Kanada. Tatsächlich handelt es sich um drei separate Wasserfälle: die American Falls und die kleineren Bridal Veil Falls auf amerikanischer Seite sowie die deutlich größeren und spektakuläreren Horseshoe Falls (Hufeisenfälle) auf kanadischer Seite.

Der große Unterschied liegt in der Perspektive: Von der kanadischen Seite aus hat man den weitaus besseren Blick auf alle drei Fälle – man schaut sozusagen frontal auf das Naturschauspiel. Die amerikanische Seite bietet zwar die Möglichkeit, näher an die Fälle heranzukommen, aber die Aussicht ist bei weitem nicht so beeindruckend. Nicht umsonst gilt die kanadische Seite als die touristisch attraktivere – auch wenn sie entsprechend überlaufen und kommerzialisiert ist. Wer die Niagarafälle in ihrer vollen Pracht erleben möchte, sollte definitiv die kanadische Seite ansteuern.

Unsere ersten Eindrücke der Fälle

Wir überqueren die Straße und laufen zunächst am Fluss oberhalb der Fälle entlang, bevor wir zum Besucherzentrum gehen. Unser Timing ist perfekt: Wir müssen nur etwa 10 Minuten warten, bevor um 10 Uhr der Ticketschalter sowie der Zugang zu „Journey Behind the Falls“ öffnen.

Journey Behind the Falls

Mit einem Fahrstuhl geht es in die Tiefe, von dort gelangt man über zwei Tunnel direkt an die Fälle. Wir biegen zunächst in den rechten Tunnel ab, der mit einer kleinen Plattform endet. Leider ist hier nicht viel zu sehen, da man sich hinter den Fällen befindet und die Gischt extrem stark ist.

Wir gehen also zurück und nehmen den anderen Tunnel. Dieser führt zu einer größeren Plattform vor den Fällen und bietet einen wesentlich besseren und sehr imposanten Ausblick auf die Horseshoe Falls. Am Fahrstuhl wurden wir mit Plastik-Capes ausgerüstet, die sich aufgrund der Gischt als sehr hilfreich erweisen.

Über die Rainbow Bridge in die USA

Wieder oben angelangt, gehen wir weiter flussabwärts zur Rainbow Bridge. Es ist immer noch relativ wenig los. An der Rainbow Bridge muss man 1 Dollar in Münzform bezahlen. Der Wechselautomat mag nicht wechseln, und so hilft uns ein nettes Paar aus Sambia aus, das wir später noch mal wiedertreffen sollten. Am Ende der Brücke erfolgt dann die unkomplizierte Einreise in die USA.

American Falls und Goat Island

Wir wandern durch den dortigen Park und schauen uns die American and Bridal Falls an. Dann gehen wir über die Brücken zunächst nach Green Island und dann nach Goat Island. Von dort kann man sich die Horseshoe Falls noch mal aus der Nähe anschauen – spektakulär!

Rückkehr nach Kanada

Wir machen uns auf den Weg über die Rainbow Bridge wieder zurück und reisen nach Überqueren der Brücke wieder in Kanada ein. Ein Schild deutet zwar darauf hin, 1 Dollar Maut zu bezahlen, tatsächlich ist dem aber nicht so.

Wir gehen zurück zum nun vollen Parkplatz – 12 Kilometer Fußmarsch stehen auf der Uhr – und haben noch einige Probleme, das Parkticket zu bezahlen. Letztendlich können wir aber den Parkplatz verlassen.

Whirlpool Aero Car und White Water Walk

Auf dem Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt halten wir noch kurz beim Whirlpool Aero Car, um die Toilette aufzusuchen. Zudem hatten wir noch in Erwägung gezogen, den White Water Walk zu gehen, lassen es dann aber sein – wir wollen lieber noch das eine oder andere Weingut besuchen.

Weingüter-Tour

Das erste ist das Inniskillin, welches sich auf Eisweine spezialisiert hat. Leider gibt es dort aber nichts zu essen. Daher fahren wir zum Weingut „Two Sisters“, aber auch dort gibt es nichts. So landen wir schließlich beim Weingut Peller, wo wir bei bestem Wetter auf der Terrasse Platz nehmen können und eine gute Auswahl an Weinen und eine kalte gemischte Platte genießen.

Abendspaziergang in Niagara-on-the-Lake

Am Abend schlendern wir noch mal durch den netten Ort und gehen im Restaurant des lokalen Golfclubs zu Abend essen.

Tag 12: Niagara-on-the-Lake nach Elkhart

Abschied von Niagara und Rückkehr in die USA

Heute biegen wir in die Zielgerade ein – mit Zwischenstopp geht es zurück Richtung Chicago. Die schnellste Strecke wäre wieder die gleiche Strecke zurück zum Grenzübergang in Port Huron zu fahren und von dort dann Richtung Südwesten nach Chicago. Wir entscheiden uns für die längere Strecke entlang des südlichen Ufers des Erie Sees mit einem Zwischenstopp in Elkhart. Elkhart hatten wir eher zufällig ausgesucht, da es auf der Strecke nach Chicago liegt und wir am nächsten Tag nur noch 2,5 Stunden Fahrt bis Chicago haben.

Nach dem Frühstück fahren wir bei schönstem Wetter zunächst noch einmal an den Fällen vorbei und weiter entlang des Niagara River bis Fort Erie, um dann über die Peace Bridge Richtung USA zu gelangen. Die Grenzkontrolle direkt hinter der Brücke dauert diesmal eine gefühlte Ewigkeit – kein Wunder, als wir an der Reihe sind werden wir ordentlich ausgefragt, der Officer macht seinen Dienst sehr gewissenhaft. Nach dem Verhör dürfen wir dann die Grenze überqueren und fahren zunächst durch Buffalo im Bundesstatt New York und dann am Erie See entlang Richtung Cleveland.

Auf der I-90 Richtung Westen

Die Fahrt auf der Landstraße und die Grenzkontrolle haben uns doch mehr Zeit as geplant gekostet und so wechseln irgendwann wir auf die I-90, um Kilometer zu gewinnen. Mittlerweile im Bundesstatt Ohio angekommen, kehren wir bei „Kay’s Place“ zur Mittagsrast ein, einem der wenigen Restaurants an den Autobahnausfahrten, das zu keiner der großen Ketten gehört – und das Essen ist wirklich lecker.

Ankunft in Elkhart

Frisch gestärkt fahren wir weiter, passieren Cleveland und Toledo, erreichen irgendwann den Bundesstaat Indiana und erreichen am Abend Elkhart. Dort übernachten wir in einem Hampton Inn, das zur Hilton-Gruppe gehört. Zum Abendessen finden wir fußläufig leckeres BBQ im Restaurant „Smoking Fattys BBQ„, das früher wohl mal ein Applebee’s war. Alex bestellt eine Strawberry Margarita, die sich als sehr alkohollastig und groß darstellt, sowie Beef Brisket. Markus entscheidet sich für die Smokehouse Combo, eine gemischte Platte mit Schweinebauch, Ribs, Brisket und Pulled Pork. Vollgegessen vertreten wir uns noch kurz die Füße und fallen dann ins Bett.

Tag 13: Chicago & Heimreise – Teil 1

  • Datum: 10.05.2023
  • Tagesetappe: 130 Meilen mit dem Auto und 4.009 Meilen Luftlinie von Chicago nach Lissabon
  • Flug: TP 242
  • Unterkunft: Fairmont Chicago Millennium Park

Ausschlafen und gemütlicher Start

Am nächsten Morgen können wir etwas ausschlafen. Zum einen haben wir nichts weiter vor, als nach Chicago zu fahren und noch etwas zu shoppen, zum anderen geht unser Flug erst um 22 Uhr. Und zu guter Letzt wird uns dank anderer Zeitzone noch eine Stunde geschenkt.

Nach dem spärlichen Frühstück mit Plastikgeschirr und -besteck machen wir uns auf den Weg nach Chicago.

Shopping im Chicago Premium Outlet

Um die Mittagszeit erreichen wir das Chicago Premium Outlet und verbringen ein paar Stunden mit Bummeln und Shoppen.

Enttäuschendes Abschiedsessen im Outback Steakhouse

Am Nachmittag fahren wir zum Flughafen und legen kurzerhand noch einen Stopp beim Outback Steakhouse ein. Leider entpuppt sich das als keine gute Idee: Essen und Service sind das Schlechteste auf der gesamten Reise – kein gelungener kulinarischer Abschluss. Umso enttäuschter sind wir, als wir um die Ecke ein „Portillo’s“, entdecken. Wir waren ja bereits am Anfang der Reise in einer anderen Filiale und haben dort leckere Hot Dogs gegessen. Das wäre mit Sicherheit die bessere Wahl gewesen.

Rückgabe des Mietwagens und warten bis zum Abflug

Am Flughafen geben wir unser Auto zurück und fahren mit dem Zug zu unserem Terminal 5. Wir erreichen den Check-in-Schalter genau in dem Moment, als er öffnet – perfektes Timing. Nach endlosem Warten beim Security Check begeben wir uns in die unterirdische SAS Lounge. Wenigstens finden wir noch einen Platz und können die verbleibende Zeit bis zum Abflug überbrücken.

Tag 14: Lissabon & Heimreise – Teil 2

  • Datum: 11.05.2023
  • Tagesetappe: 1.166 Meilen Luftlinie von Lissabon nach Frankfurt + 60km von Frankfurt nach Hause
  • Flug: TP 574

Stopover in Lissabon

Nach der pünktlichen Ankunft in Lissabon um die Mittagszeit haben wir noch ein paar Stunden Zeit bis zum Weiterflug um 18 Uhr nach Frankfurt. Wir bestellen uns einen Uber und fahren in die Stadt, um noch ein wenig zu bummeln und die letzten Stunden unserer Reise zu genießen.

Durch Zufall entdecken wir eine nette Location mit Blick auf den Tejo, wo wir draußen Platz nehmen. Wir bestellen eine Kleinigkeit zu essen und gönnen uns einen Aperol Spritz – der perfekte Abschluss unserer USA- und Kanada-Reise, entspannt am Wasser sitzend und die Atmosphäre Lissabons auf uns wirken lassend.

Heimflug nach Frankfurt

Zurück am Flughafen startet unser Flug nach Frankfurt pünktlich, wenn auch von einer Außenposition. Die Landung in Frankfurt verläuft ebenfalls reibungslos – doch dann heißt es warten. Und warten. Die Koffer lassen gefühlt ewig auf sich warten, und wir stehen mit gefühlten hundert anderen Passagieren am Gepäckband.

Endlich, gegen Mitternacht, sind wir zu Hause. Müde, aber voller wunderbarer Erinnerungen an eine großartige Reise durch Michigan, Ontario und die Niagarafälle.

Fazit – Great Lakes, Great Times – Zwischen Regen und Wein

Ehrlich gesagt: Das Wetter hätte besser sein können. Regen und kühle Temperaturen begleiteten uns einen Großteil der Reise – aber auch das gehört dazu und hat uns nicht davon abgehalten, die Region intensiv zu erkunden. Dafür hatten wir viele Sehenswürdigkeiten fast für uns allein, und die dramatischen Wolken über den Großen Seen sorgten für stimmungsvolle Fotos.

Kulinarisch war die Reise ein Highlight: von erstklassigen Foodtouren in Lissabon und Chicago über Weinproben in den Weingütern Michigans und Ontarios bis hin zu typisch amerikanischen Diners und kanadischen Spezialitäten. Und ja, wir haben auch gelernt, dass man in Michigan durchaus guten Wein findet – wer hätte das gedacht?

In diesem Reisebericht nehmen wir euch mit auf unseren Roadtrip durch den Mittleren Westen und Südkanada – mit allen Highlights, Wetterkapriolen, Weinproben und ehrlichen Eindrücken. Von spektakulären Küstenstraßen über einsame Leuchttürme bis hin zu donnernden Wasserfällen.

Viel Spaß beim Lesen – und vielleicht inspiriert euch unser Bericht ja zu eurem eigenen Great Lakes-Abenteuer

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